Um Viertel nach sieben leuchtet der kleine Hinweis auf dem Handy auf: Zeit für das Tagesquiz. Die Uhrzeit hat Anna selbst gewählt – so passt die Erinnerung zwischen Abendessen und Sandmännchen.
Auf der Startseite wartet die Tages-Challenge: Noch offen, darunter der Countdown bis Mitternacht. Zehn Fragen, zehn Punkte für jede richtige. Für alle dieselben, jeden Tag um Punkt null Uhr neu. Anna mag das: Beim Tagesquiz gewinnt nicht, wer am schnellsten klickt, sondern wer es wirklich weiß.
Nach jeder Antwort erscheint der Quellvers. Bei Frage sieben tippt sie daneben – die richtige Antwort war nur zwei Wörter von ihrer entfernt. Am Ende stehen 80 Punkte. „Bis zu drei Versuche“, denkt sie. „Aber für die Rangliste zählt mein erster.“ Den behält sie.
In der Freundesliste steht sie auf Platz vier, ihre Serie bei zwölf Tagen. Fast wäre sie letzte Woche gerissen – Linas Geburtstag, der ganze Tag ein einziger Trubel. Aber ein Schutz-Tag hat den Abend still überbrückt; den hatte sie sich mit der Sieben-Tage-Serie verdient. Am nächsten Morgen stand dazu ein kleiner Hinweis da, kein Vorwurf.
Anna legt das Handy beiseite. Nicht mit dem Gefühl, verloren zu haben. Sondern mit einem Vers im Kopf, den sie vor zehn Minuten noch nicht kannte.